Areal to go oder: Ein Spielbericht zum Stadt(t)raumtheater

Ankommen, beschnuppern, Namen nehmen. Sechs Mitspielende und ein Zaungast, der zwischendrin davon fliegt. Mit Worten das Areal fassen: Den ersten Eindruck, Einfall, Kopfgetümmel in Begriff gießen, in Kuh und Müll und Möglichkeiten undundund.

Dann vom Kopf zu den Füßen kommen oder auch auf die Füße. Den eigenen Körper, Gang und Stand, den Wind und den Boden wahrnehmen. Unglaublich, wie spannend und entspannend blindes Schreiten sein kann!
Hier sein. Dasein. Weitergehen. Die Füße laufen lassen, die Sinne dazu. Flanierend
das Gelände erkunden. Allein im Di-A-log mit dem A-Real. Wo findet statt? Wo entsteht eine Geschichte? Was eignet sich? Wo verändert sich etwas im Hinzukommen? Und für wen?

Umgeschaut, gesammelt, zurückgeschlendert, versammelt: Wieder beieinander.
Nun miteinander in Horde Herde werden. Kuhherde. Mit kuheigener Schwere, ku(sc)heliger Nähe zum nächsten Viech, leckerem Viehfutter im mahlenden Kuhgebiss. Und dann plötzlich zusammengeschweißt durch und bewegt von stechender Bremsenplage. Ein Schelm, wer hier phantasiert. Miteinander. Aber persönlich, bitte: Noch einmal wird dem ICH im WIR ein Namen geben. Mit Gesten, gegen das Vergessen.

Und los gehen Ich und Wir: Blind walk zum jeweiligen Ort des Geschehens.
Vorne Kuhgebimmel, hinten blinde Kühe, einander verbundene Tiere mit
geschlossenen Augen. Mittenzwischendrin Muuuuh!

Ach ja. Und dann sind da noch die beiden andern Herden. Fans. Erstaunlich,
alle sprechen Muh. Und blinde Kühe avancieren bei Bajuvaren (m) zum
„typischen Hamburg“.Noch mehr Überraschung darf und soll sein. „Was,  h i e r
sind wir?“
heißt es nach ein paar Metern und gefühlten Kilometern später. Vor uns
tut sich die Bühne auf: Für die Präsentation des Entdeckten, für u-gelbe Stalagnitenkunst und Krimi mit Doubles, für Quizshow vor automobilem Publikum und artig ausgerichtetes Bügel-Kollektiv, für Sicherheit liebendes Urwaldkraut und den ironischen Blick des Kolosses auf das Karoviertel. Szenenstoff. Manches – wie die blinde Herde – verdächtig sehenswürdig und vielleicht demnächst im Kurverwaltungskalender vermerkt. Realitätentheater. Und was heißt eigentlich Präsentation? Mit Worten mit einander teilen, mit Spiel oder Spielen lassen, mit Geste vielleicht, einer Bewegung oder dem Bewegen der anderen, in Chinesisch oder Geräuchisch.

Wir nehmen mit. Im Gepäck von unserem Ort: Eine Geste, einen Ausdruck, eine Haltung. Das, was sich eignet, machen wir uns zu Eigen, zum Körperausdruck. Zur Mimik.

Areal to go. Wir sammeln (uns) noch einmal. Wo waren wir – wo sind wir jetzt?
Drei Stunden und eine Begegnung mit dem Areal später. Der erste Eindruck und
die zugeeignete Geste: Dazwischen liegt jetzt der Entdeckungsweg, eine Veränderung der Körperhaltung, Kopfhöhe, Stimme, Stimmung. Dazwischen liegt eine Verwandlung. Theaterspiel. Aber wer spielt hier mit wem?

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