Das Wichtigste von der Infoveranstaltung des Bezirks

Nachdem sich der Pulverdampf im Kopf verzogen hat, haben wir hier noch mal die wichtigsten Punkte der Infoveranstaltung am Montagabend zusammengestellt:
1. geplante Nutzungsflächen,
2. interessante Aussagen verschiedener Akteure,
3. fragen wir uns: Was heißt das nun alles?

Halle für alle am 24.9.2012

Schön wär’s.

1. Von Edeka Nord geplante Nutzungsflächen

Im Erdgeschoss:
– Edeka 6000 qm (Verkaufsfläche 4700 qm)
– Budni 950 qm (Verkaufsfläche 720 qm)
– Aldi 1300 qm (Verkaufsfläche 1010 qm)
– Markthalle 3500 qm
– Gastronomie 880 qm (dazu Außengastronomie)

Plan fürs Erdgeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Plan fürs Erdgeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Im Obergeschoss:
– Moschee 780 qm
– Stadtteilnahe (soziokulturelle) Nutzungen 800 qm
– Büros/Ateliers 1100 qm
– Kita 900 qm
(plus 275 qm Technikräume und 60 qm Nebenräume Markt)

Plan fürs Obergeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Plan fürs Obergeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

 2. Interessante Aussagen verschiedener Akteure aus der Diskussion
(in Frage-Antwort-Form)

Sind im Vertrag zwischen der Sprinkenhof AG und Edeka Nord irgendwelche konkreten Nutzungen, womöglich mit Quadratmeterzahlen, festgelegt?
„In unserem Mietvertrag zwischen Sprinkenhof AG und Edeka ist nicht definitiv festgelegt: 4000 qm müssen das sein, 3000 qm müssen das sein, 2000 qm das. Das ist nicht Fakt. Was definitiv verankert ist, ist, dass die Moschee zu erhalten ist.“ (Jan Zunke, Sprinkenhof AG)

Ist die Größe der Nahversorgungsfläche endgültig festgelegt?
„Das Vorkonzept für die großen Flächen Edeka, Aldi und Budnikowsky ist vordefiniert.“ (Peter Saur, Edeka Nord)

Wer ist der Vermieter für stadtteilbezogene Nutzungen?
„Generalvermieter ist die Edeka.“ (Jan Zunke)
Edeka Nord hat sich beim Mietpreis für diese Nutzungen auf 5 € pro qm festgelegt.

Wird es stadtteilbezogene Nutzungen nur im Obergeschoss geben?
„Ob wir am Ende auch Nutzungen, die heute im OG vorgesehen sind, mit ins Erdgeschoss nehmen, halte ich im Moment noch für offen.“ (Peter Maßmann, Projektentwickler für Edeka)

Ist die Zwischennutzung wirklich nur auf zehn Jahre angelegt?
„Es gibt keine Optionsrechte und keine Zusagen auf Verlängerung.“ (Jan Zunke)

Wird die Markthalle wie der Mercado?
„Es gibt kein fertiges Konzept für diese Markthalle“ (Peter Maßmann)
„1:1 das Mercado nehmen und hierher, wäre falsch… Ein 1:1-Mercado wird es auf keinen Fall geben“ (Peter Maßmann)
Die künftige Markthalle soll laut Maßmann „20, 30 Nutzer“ haben.

Müssen wirklich 880 qm für Außengastronomie bereitgestellt werden?
880 qm „ist ’ne Menge. Ich bin auch bereit, dass noch einmal in Frage zu stellen.“
(Peter Maßmann)

Wenn Außengastronomie kommt, werden das dann auch Gastro-Ketten sein?
„Wir haben nicht vor – und das gilt sowohl für innen als auch für außen–, dort große fililasierten Ketten [reinzunehmen].“ (Peter Maßmann)
„Sagen wir hier auch zu, dass sich da kein McDonalds, LeCroBag oder Ähnliches wiederfindet, oder irgendetwas Austauschbares.“ (Peter Maßmann)
Zur Gewerbemiete für Gastroflächen hieß es dann aber:
„Wer ein paar hundert qm anmietet, muss schon eine schlaue Brauerei oder Geld geerbt haben.“ (Peter Maßmann)

Wird es eine Gartenfläche geben?
„War bisher von der Edeka nicht geplant.“ (Peter Maßmann)
„Es ist uns in dieser Erhebung auch aufgefallen, dass das ein Riesenthema ist.“
(Peter Maßmann)
Mit der „Erhebung“ ist die Umfrage der Wunschproduktion gemeint.

Werden die Parkplätze außerhalb der Öffnungszeiten der Halle etwas kosten?
Hier gab es keine klare Antwort. Peter Maßmann sprach einmal von „kostengünstigen Parkplätzen“ und verwies später darauf, dass die Stadt sich dafür entschieden hat, die Halle einem kommerziellen Betreiber zu vermieten – für eine „ziemlich hohen Miete“, die Edeka an die Stadt Hamburg zahlt.

Wer entscheidet am Ende über die stadtteilnahen Nutzungen?
„Ob das eine Stadtteilkommission ist oder eine Jury, da gibt es überhaupt keine Festlegung.“ (Andy Grote)

Alle Zitate können in der Video-Dokumentation von utopieTV nachgeschaut werden.

3. Was heißt das nun alles?

Es ist noch nicht alles festgelegt. Edeka Nord betont zwar, an der Größe der Nahversorgungsflächen sei nicht mehr zu rütteln. Sie halten aber an ihrem 6000-qm-Supermarkt fest, weil sie sonst die Miete nicht reinbekommen, nicht weil die 6000 qm in irgendeinem Vertrag festgelegt wären.

Wir wissen nicht, wie hoch die Miete ist, die die Stadt Edeka abknöpft (wir vermuten, dass sie wesentlich niedriger ist als die Miete, die der Real-Markt gezahlt hat).

Die spannendere Frage ist aber: Warum hat die Stadt das Areal überhaupt als ganzes vermietet? Warum hat sie nicht eine Teilfläche an Edeka Nord vermietet und die restlichen Flächen gemeinsam mit den Anwohner_innen geplant? Als der Vertrag mit Edeka Nord abgeschlossen wurde, waren Stadt und Bezirk die Wünsche der Anwohner_innen längst bekannt.

Mit der Gesamtvermietung hat die Stadt aber die Planung des Areal komplett privatisiert – und sich damit aus der Verantwortung gestohlen. Es mag zwar sein, dass jetzige Projektentwickler Maßmann & Co die Anwohner_innen ernsthaft an der Planung beteiligen will. Aber es ist überhaupt nicht OK, dass die Anwohner_innen ihre Ideen ehrenamtlich einem Unternehmen liefern sollen, das daran gut verdient.

Die Planung von städtischen Grundstücken darf nicht länger privatisiert werden.

Die Anwohner_innen sollen auf Augenhöhe mitplanen. In einer eigenen Planungskommission. Mit einem Planungsbudget seitens der Stadt, die für die ganze verfahrene Situation verantwortlich ist. Und Edeka Nord sollte seine Pläne noch einmal gründlich überdenken. Eine Halle für alle könnte z.B. so aussehen:

Denkbare Flächenverteilung, wie sie sich aus der Umfrage der Wunschproduktion ergibt.

Denkbare Flächenverteilung, wie sie sich aus der Umfrage der Wunschproduktion ergibt.

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