Edeka-Markt-Betreiber wollen offenbar aussteigen

Kurz vor den Feiertagen noch eine interessante Neuigkeit: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, wollen die beiden vorgesehenen Betreiber des Edeka-Marktes in der Rindermarkthalle, Holst und Meyer, aus der jetzigen Planung von Edeka Nord aussteigen. Grund ist offenbar die Markthalle, wie sie Maßmann & Co im Eingangsbereich planen.

Uns liegt eine detaillierte Auflistung der verschiedenen Marktstände vor, die allesamt Lebensmittel anbieten sollen und teilweise eher an eine Feinkostabteilung erinnern als eine Markthalle für die Leute aus den Vierteln drumherum. Andere „nicht-essbare“ Dinge für den täglichen Bedarf: Fehlanzeige (wenn man von Blumen einmal absieht).

Die Marktstände werden von der Firma Schweitzer Ladenbau entworfen. Die gilt in der Branche als teurer Edel-Ladenbauer. Das wirkt sich dann  auf die Standmieten aus: Die werden voraussichtlich bei 40 bis 50 Euro pro qm liegen.

Zur Erinnerung: Peter Maßmann hatte auf der Infoveranstaltung am 24.9. gesagt, einen „1:1-Mercado“ werde es „auf keinen Fall“ geben. In gewisser Weise hält er Wort: Was jetzt geplant ist, kommt uns wie ein Mercado de luxe vor.

Dieses Konzept ist jedoch für die benötigte Nahversorgung, für die ein kleinerer Edeka-Markt und ein Aldi allemal genügen würden, überflüssig wie ein Kropf. Statt einer Markthalle mit nützlichem, alltäglichem Kleingewerbe, das in den umliegenden Vierteln zunehmend fehlt und von vielen Anwohnern – neben anderen Nutzungen – gewünscht wird, soll nun eine Schlemmer-Halle entstehen, die die Gentrifizierung St. Paulis weiter voran treibt und auch noch dem geplanten Edeka-Markt selbst das Geschäft abgräbt. Die Entscheidung von Holst und Meyer, sich an diesem Konzept nicht zu beteiligen, unterstützen wir ausdrücklich.

Dass die Planung sich in diese Richtung entwickelt, ist indes kein Zufall. Für die Edeka-Gruppe ist das E-Center in der Rindermarkthalle ein „Vorzeige-Objekt“ für künftige innerstädtische Einkaufszentren, mit dem sie bereits auf Messen wirbt, zuletzt auf der EXPO Real in München. Deshalb war Edeka Nord auch bereit, den von der Sprinkenhof AG als Verwalterin des städtischen Grundstücks sehr hoch angesetzten Mietpreis zu zahlen. Diesen kann man nach unseren Daten mit rund 1,5 Millionen Euro ansetzen. Die dafür nötige Rendite ist mit einer kleinteiligen, Stadtteil-kompatiblen Nutzung der Halle natürlich nicht zu erwirtschaften.

Es wird höchste Zeit, die jetzige Planung für die Rindermarkthalle, die sich längst in eine ungute Richtung verselbständigt hat, zu stoppen.

Was wir brauchen, ist immer noch: eine Halle für alle, die von allen mitgeplant wird.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Edeka-Markt-Betreiber wollen offenbar aussteigen

  1. Liebe Wunschproduktion,

    wir freuen uns weiterhin über jede Form des Dialoges – auch des kritischen Dialoges. Wenn aber wie hier mit falschen Behauptungen gearbeitet wird, dann wird’s kritisch – leider in einem anderen Sinne.

    Daher jetzt einmal kurz Fakten, statt Spekulationen:

    Von einem Ausstieg der Pächter Holst und Meyer kann nicht die Rede sein. Von Seiten der Edeka-Einzelhändler wurde uns wiederholt bestätigt, dass ein Ausstieg aus dem Projekt Rindermarkthalle nicht geplant ist. So viel zu dieser Behauptung.

    Viel problematischer aber ist die hier formulierte mutwillige Verdrehung des Konzeptes der Markthalle.

    Die Verhandlungen mit potentiellen Mietern für die Flächen haben gerade erst begonnen. Von einer wie auch immer gearteten Liste mit potentiellen Mietern – über ein Jahr vor Eröffnung – auf das Konzept zu schließen und damit Stimmung zu machen, muss als politisch begründeter Aktionismus bezeichnet werden.

    Wahr ist:

    Das Konzept einer lebendigen Markthalle für das Viertel bleibt bestehen und wird sich auch nicht ändern. Dazu gehört ein Mix aus verschiedensten kleineren und größeren Marktständen für Nahrungsmittel und individueller Gastronomie, aber auch Kleinhandwerk, ein Schuster, eine Reinigung, ein Friseur o.ä. wäre möglich. Dabei wird es natürlich auch professionellere Betreiber geben, aber auch für Kleinbetriebe und Existenzgründer wird genug Platz sein.

    Das ganze wird am Ende auch davon abhängen, welche Betreiberinnen und Betreiber sich bewerben und ein Teil der neuen Rindermarkthalle werden wollen. Die Vermietung beginnt erst Anfang 2013. Konkrete Entscheidungen zu einem bestimmten Konzept kann es also noch gar nicht geben. Das Gesamtkonzept besteht aus kleinen Ladenflächen, festen Marktständen und einer flexiblen Aktions-Fläche. Und eben nicht aus ausschließlich größeren Läden.

    Richtig ist:

    Es haben sich bislang eine Vielzahl verschiedenster und kleinerer Händler beworben, mit denen wir nun nach und nach in Gespräche einsteigen werden.

    Ich frage euch:
    – Was ist schlecht an einem Obsthändler aus dem Alten Land?
    – Was ist schlecht an einer kleinen Käsehändlerin vom Wochenmarkt?
    – Was ist schlecht an einem Laden für Tee und Gewürze?
    – Was ist schlecht an einem Fairtrade-Laden?
    – Was ist schlecht an einem türkischen Händler aus dem Viertel, der seine selbstgemachten Süßspeisen verkauft?

    Gerade hat offensichtlich der türkische Obst und Gemüseladen an der Ecke Schulterblatt/Susannenstraße zugemacht. Wir bieten solchen Händlern und anderen eine Möglichkeit, im Stadtteil zu bleiben. Was hat das denn mit Gentrifizierung zu tun? Das sind alles Händler, die im Moment keine geeigneten Kleinflächen mehr im Viertel finden und die sich deshalb als erste bei uns beworben haben.

    Wir werden Gespräche mit allen führen die sich für eine Fläche in der Markthalle interessieren und freuen uns über jeden Tipp, jede Anregung, jeden Wunsch der aus dem Viertel kommt.

    Warum sollten wir ein „deluxe-Mercado“ aufbauen, das im Stadtteil keiner haben will? Das ist Quatsch und eine Unterstellung, die mit der Realität nicht zu tun hat!

    Richtig ist:

    Wir haben von Beginn unseres Auftrages im August an immer wieder Gesprächsangebote gemacht und Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen. Insbesondere die Wunschproduktion hat diese aber bisher auch immer wieder nicht angenommen. Nicht mit uns über die eigenen Vorstellungen zu reden und sich dann darüber zu beschweren, man sei nicht gefragt worden, ist mehr als schlechter Stil. Das finden wir sehr schade.

    Wir würden uns freuen, wenn die Wunschproduktion sich konstruktiv an den Planungen zur Zukunft der Rindermarkthalle beteiligen würde. Andere Anwohnerinnen und Anwohner bringen sich ja auch ein und führen mit uns (so z.B. die Keimzelle und das Gartendeck zum Thema Grünareal) konkrete Gespräche über konkrete Ideen.

    Sagt doch einmal konkret was ihr meint, welche kleinen Läden das Viertel eurer Ansicht nach braucht! Dann werden wir diese bevorzugt in die Planungen integrieren. Im Moment klingt das alles sehr nach Politik und nicht nach Ausdruck von dem an dem, was das Viertel wirklich will.

    Torsten Hönisch
    (Maßmann & Co.)

Schreibe einen Kommentar