Erklärung zur heutigen Infoveranstaltung des Bezirks

Die Wunschproduktion Alte Rindermarkthalle fordert  gemeinsam mit den Initiativen die leute: real und Grünareal,

  • den jetzigen Plan neu zuzuschneiden,
  • die Nahversorgungsflächen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren und
  • eine Anwohner-Planungskommission zu bilden, die sämtliche Flächen außerhalb der Nahversorgung beplant.

Im November 2010 starteten Anwohner_innen der Alten Rindermarkthalle auf St. Pauli eine so genannte Wunschproduktion, einen selbstbestimmten Planungsprozess für Stadtquartiere. Sie folgt damit dem Beispiel der Wunschproduktion Park Fiction (1994 – 1998), die zum Bau des gleichnamigen Parks in St. Pauli Süd führte und eines der gelungensten Beispiele für eine Planung durch Anwohner_innen selbst ist – sogar über Hamburg hinaus.

Die Wunschproduktion Alte Rindermarkthalle führte zunächst eine umfangreiche Umfrage in St. Pauli Nord, im Karoviertel und im Schanzenviertel durch, für die sie 18.000 Fragebögen verteilte (die Rücklaufquote lag bei gut drei Prozent, was in der Marktforschung als sehr gutes Feedback gilt). Die in den ausgefüllten Fragebögen geäußerten Wünsche und Ideen haben die Anwohner_innen dann in verschiedenen Veranstaltungen an den Planungswürfeln – zuerst vor der Rindermarkthalle, später am Grünen Jäger – weiter konkretisiert. Sämtliche Ergebnisse waren von Anfang an gut dokumentiert und öffentlich zugänglich (online und in gedruckter Form)1.

Dem damaligen Bezirksamtsleiter Markus Schreiber überreichte die Wunschproduktion im April 2011 das erste Umfrageergebnis sogar persönlich. Doch obwohl die Hamburgische Bürgerschaft nach der zurecht gescheiterten Music-Hall-Planung bereits im November 2010 dem Bezirk Mitte empfohlen hatte, Anwohner-Initiativen in die weitere Planung der Rindermarkthalle mit einzubeziehen, passierte nichts dergleichen.

Stattdessen zauberte der Bezirk im September 2011 eine auf zehn Jahre angelegte „Zwischennutzung“ durch Edeka, Aldi und Budnikowsky aus dem Hut. In der Folge ließ auch Edeka Nord als künftiger Hauptpächter jedes Gesprächsangebot der Wunschproduktion ins Leere laufen.

Das ist umso ärgerlicher, als der zurzeit kursierende Edeka-Plan die Vielfalt der Nutzungsideen seitens der Anwohner_innen nicht abbildet. Die für stadtteilnahe Nutzungen in Aussicht gestellte Flächen von insgesamt 600 bis 800 Quadratmetern – unter fünf Prozent der gesamten Nutzungsfläche – sind nicht mehr als „Brosamen für St. Pauli“.

Wenn seit einigen Wochen der von Edeka beauftragte Projektentwickler Maßmann & Co mit den Anwohnern „ins Gespräch“ kommen will, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anwohner_innen einmal mehr in der Planung übergangen worden sind. Der Bezirk Mitte hat aus seinen Fehlern von 2010 nichts gelernt. Jede Planung einer städtischen Immobilie muss heute bei den Anwohner_innen anfangen.

Eine Nahversorgung in der Rindermarkthalle, vor allem für das Karoviertel, ist absolut notwendig. Sie war auch seitens der Anwohner_innen von Anfang an gesetzt. Aber es gibt keinen Grund, nun fast die gesamte Halle mit einem überdimensionierten Nahversorgungskonzept zu füllen, dass wesentlich auch auf Kunden aus anderen Stadtteilen setzt, die zum Einkaufen eigens mit dem Auto kommen.

Die Wunschproduktion Alte Rindermarkthalle fordert daher gemeinsam mit den Initiativen die leute: real und Grünareal,

  • den jetzigen Plan neu zuzuschneiden,
  • die Nahversorgungsflächen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren und
  • eine Anwohner-Planungskommission zu bilden, die sämtliche Flächen außerhalb der Nahversorgung beplant.

Diese Erklärung gibt es auch als PDF für die Presse.

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