Liebes Tagebuch! Eine Festnachlese zu „60 Jahren Rindermarkthalle. Wir feiern alle.“

Liebes Tagebuch.

wow, war unser Fest wieder schön! Die Leute rannten uns schon die Planungswürfel ein, bevor wir unsere Festivitätendeko angebracht hatten: Nachbarn und Altonesinnen, Polit-Freund_innen und Flaneur_innen, Gartengäste und Passierende. Selbst aus dem fernen Bergedorf kam Besuch.

Und Bewegung gab es diesmal auch. Beim letzten Fest waren wir ja eine echte Platzkonzertbewegung: immer hin und weg vom Areal. Heuer stehen nun die Planungswürfel fix, Konzertplatz für Cello, Bass und Altsaxophon und natürlich den Plattenteller war auch gesichert – dafür brodelt es in den Köpfen und Gesprächen nur so. Vielleicht lag es daran, dass es über uns diesmal nur das All mit Sonne und strahlend blauem Himmel gab? Das schaffte schon Raum zum Wünschen und Denken.

Selbst der Rechtsstaat, der ja beim letzten Fest durch seine Ordnungsbehütenden auf uns nieder gegraut hatte, trübte uns diesmal nicht die Atmosphäre. Bloß Personalienfeststellung gab es wieder – diesmal aber freundlicher Art: Presse und interessierte Mitstreiter_innen tauschten mit uns Kontaktdaten. Nun gut, ich schweife ein wenig ab. Zurück zur Bewegung der Köpfe und in den Köpfen, in den Gesprächen, Daumen, Beinen….

Also die Bewegung für Köpfe und Daumen gab es schon mal durch 3 1/2 Auswertungsvisualisierungen der Wunschproduktion: Da gab es einen bildhaften Überblick über Wunschgebäude, -grünanlagen, -sportanlagen und andere Einrichtungen auf dem Areal; da gab es kleine Boden-Icons zu den Menschen, denen auch zukünftig das Areal offen stehen soll; eine Icon-Wand zeigt, was die Menschen brauchen, um im Planungsprozess zur Alten Rindermarkthalle aktiv werden zu können.

Eine Würfelwand setzte dann auch Daumen in Bewegung: Die von Anwohner_innen gewünschten Anlagen und Geschäfte auf dem Gelände konnten nach eigener Vorliebe rotpunktig gewichtet werden (zur Auszählung). Die Wunschproduktion als Gesprächsangebot an alle Interessierten, über das Areal gemeinsam zu reden war heuer wirklich erfolgreich, wenn ich’s bedenke. Zwischendrin wurde dann aber doch noch mal selbst Hand angelegt und Wunschareal als Skizze so zurechtgemalt, -geklebt und -geschnibbelt, dass die eigenen Ideen wirklich alle vertreten und sichtbar sind. Klar, Kaffee getrunken und Schoko-Kuchen gekaut wurde mittendrin auch. Wenn nicht grad auf der Würfelsonnenseite Ben con Cello Schwung in die Beine spielte oder David mit E-Bass und Sounds, Wolfgang mit dem Altsaxophon oder der Plattenteller mit Musik aufmischte, die Keimzelle auf das Areal keimte, die Baumwurzeln Wurzeln schlugen oderoderoder…

Also, liebes Tagebuch, da hatte ich doch klammheimlich befürchtet, dass die bezirklich-langweiligen weiß-willig-mittelschichtig-Planungen zum Areal nun Wünsche und Interessen am Areal blockieren. Gefehlt! Da waren immer noch Leute, die mehr wünschen und wollen als schon Verordnetes. Sogar mehr als beim letzten Fest! Es brodelte in den Gesprächen über die Arealnutzung nur so von dem Verlangen nach Brache – nach einem der Kapitalisierung entzogenen Boden -, nach grauem Markt für Leute ohne Arbeitserlaubnis durch ALG-Bezug oder Aufenthaltsstatus, nach Milchtankstelle, nach politischem Versammlungsort oder gar nach Wohnungen auch für Migrantische & Arbeitslose, ohne Sozialdurchmischungsklausel und Vergabekriterien zu Bewohner_innenauswahl durch SAGA oder Wohngenoss_innen. Und das waren nur die Gespräche, die ich gehört hab…

Aber was mich am meisten umgehauen hat: Dass auch die Wünsche selbst zunehmend Beine bekommen und in Bewegung geraten – nämlich Richtung Areal. Die neuen Ideen wollen Platz bekommen, sich jenseits des Spielbrettes materialisieren. Vielleicht, weil sie mit realen Bedürfnissen nach Versammlungsorten, Redemöglichkeiten, Wohnmöglichkeit, Gelderwerbsgelegenheit einhergehen – in verschärfter Konkurrenzwirtschaft? Oder sind da meine Ohren in den Gesprächen nur noch voll gewesen von Protesten und Aktionen dieses Wochenendes gegen Mietenwahnsinn und kapitale Spekulationskrise?

Na, mal sehn, liebes Tagebuch, was ich nach dem nächsten Fest dazu schreiben kann. Eins ist jedenfalls sicher: Das nächste Fest wird ein Weihnachtswürfelmarkt.
Hach, ich freu mich schon wieder!

Zwi 😉

Ein Nachtrag: Fast hätte ich’s vergessen! Wir habe `ne Neue in der Gruppe. Die ist voll die Sympathieträgerin. Ich kleb hier mal ein Bild ein …

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