Stand der Dinge

Im September 2011 haben Bezirk Mitte und Edeka Nord in einer Blitzaktion einen Plan über 10-jährige Zwischennutzung vorgestellt (unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien!). Am 24. September 2012, 1 Jahr und 3 Wochen später (!), haben sie der Öffentlichkeit erstmals den Plan konkreter vorgestellt. So sieht er im Moment aus:

Geplante Nutzungsflächen im Erdgeschoss (Stand 24.9.2012)

  • Edeka 6000 qm (Verkaufsfläche 4700 qm)
  • Budni 950 qm (Verkaufsfläche 720 qm)
  • Aldi 1300 qm (Verkaufsfläche 1010 qm)
  • Markthalle 3500 qm
  • Gastronomie 880 qm (dazu Außengastronomie)
Plan fürs Erdgeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Plan fürs Erdgeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Geplante Nutzungsflächen im Obergeschoss (Stand 24.9.2012)

  • Moschee 780 qm
  • Stadtteilnahe (soziokulturelle) Nutzungen 800 qm
  • Büros/Ateliers 1100 qm
  • Kita 900 qm

(plus 275 qm Technikräume und 60 qm Nebenräume Markt)

Plan fürs Obergeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Plan fürs Obergeschoss aus der Präsentation von Maßmann & Co.

Bemerkenswert: Im Obergeschoss sind 2000 qm zusätzliche Flächen gefunden worden.

Wo ist das Problem an dem Edeka-Plan?

Gut ist, dass in die Halle wieder ein Supermarkt kommt. Denn nachdem der Real-Markt geschlossen hatte, fehlte vielen, gerade im Karoviertel, eine Einkaufsmöglichkeit.

Das Problem ist:

  • dass Bezirk Mitte und Edeka Nord  die Anwohner_innen  bisher nicht ohne Vorfestlegungen nach ihren Nutzungswünschen gefragt haben – obwohl die Hamburger Bürgerschaft im November 2010 genau das gefordert hat!
  • dass der Edeka-Markt in der geplanten Größe kein Supermarkt für die Nahversorgung ist, sondern ein „E-Center“, wie man im Einzelhandel sagt. Mit 6000 m2 ist er rund viermal so groß wie der Edeka in der Paul-Roosen-Straße! Um sich zu rechnen, braucht er also viele Kunden, die aus anderen Stadtteilen mit dem Auto vorfahren, wie am Toom-Markt in der Max-Brauer-Allee oder am Gaswerk in Bahrenfeld. Für das Karoviertel und St. Pauli Nord allein würde die halbe Fläche locker genügen.
  • dass 800 m2 für soziale und kulturelle Nutzungen ziemlich wenig sind. In der ersten Umfrage der Wunschproduktion gab es eine Menge Ideen, die auf 800 m2 nicht unterzubringen sind. Übrigens haben sich bisher weder Bezirk noch Edeka Nord auf konkrete Nutzungsanfragen aus dem Stadtteil gerührt.
  • dass wesentliche Nutzungswünsche: Stadtteilgarten, Werkstätten, Proberäume, Spiel + Sport oder nichtkommerzielle Treffpunkte überhaupt nicht berücksichtigt sind.

Die im Plan fürs Obergeschoss vorgesehenen Büros sowie die Kita sind hingegen in der Umfrage so gut wie gar nicht genannt worden.

Was passiert als Nächstes?

Im Juli haben 18-monatige Bauarbeiten begonnen, das Gelände ist seitdem mit einem blickdichten Zaun eingefasst. Die Fassadenverkleidung kommt ab, in der Halle wird einiges saniert, weil sie in einem schlechten Zustand ist.

Der von Edeka beauftragte Projektentwickler Maßmann & Co will nun Anwohnerideen aufgreifen und Workshops starten. Die Anwohner_innen sind dabei aber nicht mehr als ehrenamtlicher Ideengeber für ein Unternehmen. Das ist nicht OK.

Wie gesagt: Dass ein Supermarkt für die Nahversorgung in die Halle kommt, ist gut für alle. Aber der Rest des Plans ist immer noch unausgegoren, um es mal vorsichtig zu sagen, und eine echte Planung durch die Anwohner_innen ist immer noch nicht vorgesehen.

Wir sollten die jetzige Planung so nicht akzeptieren.

Wie würde die Flächenaufteilung der Halle aussehen, wenn man die Wünsche der Anwohner ernst nehmen würde?

Zum Beispiel so:

Denkbare Flächenverteilung, wie sie sich aus der Umfrage der Wunschproduktion ergibt.

Denkbare Flächenverteilung, wie sie sich aus der Umfrage der Wunschproduktion ergibt.

 

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